Gastgeschenke – kleine Mitbringsel erhalten die Freundschaft und die Kommunikation

 

Gastgeschenke – den Wert des Geschenks bestimmt der Beschenkte

Wer viel unterwegs ist merkt schnell, dass es auch zwischen den Kulturen große Unterschiede gibt zwischen der Art und Weise, wie das Thema Geschenke gelebt wird. Was für den einen lästig und überflüssig erscheint, bedeutet für den anderen ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung und beflügelt den Umgang miteinander.

 

Kleine Geschenke, große Wirkung

Vor einigen Tagen traf ich bei einem Jahrestreffen einen ehemaligen Kollegen wieder. Er war damals in unserer Abteilung für die Abwicklung der Geschäfte mit Japan zuständig. Damals, das ist nun schon 30 Jahre her. Da war Japan eine ferne Welt, über die wir nur wenig wussten. Alle Informationen hatten wir aus Büchern erlesen und letztlich den Berichten der reisenden Kollegen zu verdanken. Es gab weder Internet noch ein interkulturelles Interesse, wie es heute üblich ist, sobald man sich im Kontext mit anderen Kulturen befindet. Eines Tages brachte mir dieser Kollege ein Geschenk aus Japan mit. Es war ein weißes Band mit der Japanischen Flagge in der Mitte. Später lernte ich, dass dies ein Stirnband war, wie es im Kampfsport getragen wird, um sich siegessicher dem Gegner oder im übertragenen Sinne den geforderten Aufgaben zu stellen. Über dieses kleine Band hatte ich mich damals sehr gefreut, zeigte es doch die Wertschätzung meines Einsatzes in diesem Projekt und war für mich der Beleg, dass mein emsiges Zuarbeiten doch nicht unentdeckt blieb.

 

Wann ist ein Gastgeschenk nötig oder gar üblich?

Über viele Jahre erzählte ich in meiner mittlerweile neuen Rolle als Trainerin und Beraterin immer wieder diese Anekdote, als meine Kunden mich in verschiedenen interkulturellen Situationen um Rat fragten. Einmal kam ich zu einem sehr enttäuschten philippinischen Mitarbeiter, der sich beklagte, dass sein Chef ihn wohl nicht leiden könne. Als ich ihn fragte, wie er darauf käme meinte er, dass der Chef ihm noch nie ein Gastgeschenk von seinen Reisen mitgebracht hätte. Er vermisse diese Art der Anerkennung, die in seiner Sprache „Pasalubong“ heißt, also „etwas für jemanden, den man gerne wieder sieht“. Nachdem ich selbst lange auf den Philippinen gelebt habe, weiß ich um die Bedeutung diese kleinen Geschenke. Als ich dem Vorgesetzten davon berichtete, fiel dieser aus allen Wolken. „Ach,“ meinte er, „daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Und ich wundere mich, warum mein Mitarbeiter seit einiger Zeit so niedergeschlagen wirkt.“ Als einige Zeit später jener Mitarbeiter ein kleines Pasalubong von seinem Chef erhielt, rief er mich sofort an, um mir zu berichten, dass er sich noch nie so sehr über etwas gefreut habe, wie über die kleine Süßigkeit, die vor ihm auf dem Tisch stand.

 

Weniger ist mehr

Oft werde ich gefragt, was sich denn gut als Gastgeschenk eignet. Generell gilt: Es muss nicht teuer sein. Lieber ein paar Teekräuter für jemanden, der gerne Tee trinkt, als eine teure Uhr, die Sie auf irgendeinem Nachtmarkt erworben haben und die sich als Plagiat entpuppt. Hier ist ohnehin Vorsicht geboten, da viele Symbole in anderen Kulturen unterschiedlich bewertet werden. So läuft beim Verschenken einer Uhr sprichwörtlich die Zeit dieser Beziehung ab. Auch die typisch deutschen Taschenmesser mit den guten Solinger Klingen werden gerne als Gastgeschenke eingesetzt. Auch in diesem Fall bedeutet das Geschenk nichts Gutes: Die Klinge des Messers wird die Freundschaft zerschneiden und das kalte Metall einen warmen Kontakt verhindern. Geeignete Geschenke sind z.B. Süßigkeiten oder andere Spezialitäten, kleine Accessoires wie Tücher oder Servietten, Figuren oder Glücks-Symbole. Über die Zeit wird sich daraus eine regelrechte Sammlung ergeben. Sofern Sie die Mitbringsel nicht verzehren, erfreuen Sie sich noch in einigen Jahren an diesen kleinen Dingen. Jedes für sich eine kleine Wertschätzung mit dem Hinweis, dass es eine Freude ist, Sie wiederzusehen.

 

In diesem Sinne: Herzliche Grüße,

Ihre Petra Motte

 

2018-05-29T14:29:04+00:0018.10.2017|Expat, Management|0 Kommentare